Expertin für Resilienz und Lebensqualität

Abschalten und Stecker raus – Wie Sie sonst noch Ihre Batterien schonen

Wussten Sie, dass

  • wir durchschnittlich jeden Tag 116 Minuten auf Social Media verbringen?
  • es 3,397 Milliarden aktive Social Media Nutzer gibt und Rund alle 10 Sekunden ein neuer Nutzer dazu kommt?
  • Google pro Monat ca. 100 Milliarden Suchanfragen verarbeitet und dazu 0.01 % der weltweiten Elektrizität nutzt?

Stecker ziehenMich faszinieren diese Zahlen. Vor allem wenn man bedenkt, in welch kurzer Zeit sich dies so entwickelt hat. Über die letzten 2 Jahre ist unsere Online-Zeit gemäss Statistiken um 25 % gestiegen. Leider nicht nur zum Wohle des Menschen. Mittlerweile gelten rund 70’000 Schweizer als Onlinesüchtig, Tendenz steigend. Die Gründe dafür sind vielschichtig und unterschiedlich. Auch sind sich Experten nicht einig, ab wann man von einer Online-Sucht sprechen kann.

Wieviel Zeit verbringen Sie online?

Gemäss der Statistik des Apple Stores 2017 gehört Whatsapp zur absoluten Lieblingsapp der Schweizer. Gefolgt von Youtube und Instagram. Auf meinem Handy kann ich mir also die SBB App definitiv nicht mehr wegdenken und auch Google Maps ist für mich ein Must. Als Velofahrerin bin ich auch sehr dankbar für die Bike Citizen App, die mich Zürich auf ruhigeren Strassen durchqueren lässt. Da ich sehr flexibel arbeiten kann und auch immer wieder unterwegs auf Daten zugreifen möchte, hält sich meine Onlinezeit auf meinem Handy mit spielerischen Apps und die wirklich praktischen, die ich fürs Arbeiten brauche, die Balance. Hmmm, dachte ich zumindest.

Ich war schon etwas überrascht über die Grafik, als ich die Screen time App heute aus Gwunder auf meinem Handy installiert habe. Ich gehöre also definitiv zum Durschnitt der Schweizer was Online-Zeit angeht und das nicht vorwiegend NICHT auf Social Media. Gut, ich bin geschäftlich in den sozialen Medien noch aktiv 😉 Messen Sie Ihre Zeit auch schon?

Selbstverständlichkeit mit unbekannten Auswirkungen

Wir sind immer öfter und länger online. Die Zahl der von mobilen Endgeräten angefragten Suchen bei Google beläuft sich mittlerweile auf 60 %. Ein schweifender Blick in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder sonst im Alltag und die Zahl lässt sich bestätigen. Welche Auswirkungen hat das?

Um eines klar zu stellen: Ich bin überhaupt kein Verfechter von „früher war alles besser“. Als ich vor 20 Jahren mit dem Zug von der Ostschweiz nach Zürich pendelte, da versteckten 3 von 4 Personen im Abteil die Nase hinter einer Zeitung. Es wurde auch nicht miteinander geredet. Ich bin aber der Meinung, dass es immer wichtiger wird, dass wir all die elektronischen Gadgets bewusster verwenden und gut überlegen sollten wann wir wo mit was online sind. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Displaylicht als Schlafräuber

Die Displays der Handy werden immer grösser, da wir das Smartphone immer weniger dafür nutzen, wozu es, gemäss seinem Namen, eigentlich gedacht ist: zum Telefonieren. Auch werden die Displays immer heller, was auf den hohen Anteil an LED Licht zurück zu führen ist. Wir sind immer mehr dem blauen LED Licht ausgesetzt, welches unseren Tag / Nacht Rhythmus durcheinander bringt. Daher ist es empfehlenswert vor dem Schlafengehen das Handy ruhen zu lassen.

  • Es gibt nicht mehr nur Sonnenstrahlen in der Atmosphäre

Seit es Strahlen gibt scheiden sich die Meinungen, ob diese schädlich für unseren Körper sind. Was das Smart Phone betrifft, gibt es leider noch keine Langzeitstudien. So bleibt es eine gewisse Glaubensfrage, in wieweit Strahlen krebsfördernd sind und die Entwicklung anderer Krankheitsbilder begünstigt. Hoch aktuell ist momentan die Diskussion rund um das Thema 5G. Ich glaube, dass diese Strahlen unsere Umwelt beeinflussen und somit auch auf uns wirken. Ob mehr schädlich für den Körper oder doch förderlich für die Menschheit, werden die ersten Langzeitstudien in ein paar Jahren zeigen.

  • Der persönliche Akku entlädt schneller

Haben Sie auch schon beobachtet, wie viel schneller der Handyakku leer wird, wenn man einen Hotspot einrichtet? Und so  ähnlich ist es mit unseren persönlichen Batterien. Online sein zieht Energie von uns ab, weil wir ständig Reizen ausgesetzt sind. Ständig gibt es neue Informationen zu entdecken und die Möglichkeiten der Unterhaltung sind vielfältig. Immer neue Informationen erreichen unsere Sinne und wollen im Hirn verarbeitet werden. Das kann soweit führen, dass wir Angst entwickeln etwas zu verpassen und somit ständig zum Smartphone greifen, um unsere Verbindungen zur virtuellen Welt zu prüfen. Neue Statistiken zeigen, dass wir durchschnittlich täglich 88 Mal aufs Smartphone gucken, um wirklich auch gar nichts zu verpassen. Quasi in Echtzeit können wir uns über der Weltgeschehen informieren. So gelangen sehr viele ungefilterte Informationen in unser Hirn. Das braucht dann eine gewisse Zeit, bis diese richtig eingeordnet und verarbeitet sind. Wenn aber immer neue Informationen dazu kommen, dann wird das schnell stressig. Unser Hirn braucht Zeit, damit es alle Informationen verarbeiten und integrieren kann. Wenn bei einem PC immer neue Informationen in einen laufenden Prozess dazugefügt werden ist der Arbeitsspeicher mit der Zeit überfordert und die kleine Sanduhr erscheint auf dem Display. Alles blockiert und der Benutzer ist gezwungen einfach mal zu warten.

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber diese Sanduhr treibt mich manchmal fast in den Wahnsinn. Deshalb habe ich grossen Respekt vor IT Supportern, die immer wieder dieser Verarbeitung der Informationen auf der Maschine ausgeliefert sind. Ich bewundere ihre Gelassenheit, mit der sie das System pflegen und ihm die nötige Zeit gewähren. Manchmal braucht die Maschine auch einen Shutdown, eine Abkapselung vom System, um Zugriff auf alle Aktualisierungen zu haben. Und der Mensch?

Die Erfolgsformel für mehr Gelassenheit

Auch wir brauchen zwischendurch eine Abkapselung vom Netz um Energie zu tanken und alle Informationen verarbeiten zu können. Leider können wir allerdings nicht einfach den Stecker ziehen und einen Neustart erzwingen. Es ist wichtig, dass wir unsere innere Sanduhr immer im Blickwinkel haben. Also immer gut abwägen können, wieviel Information unser System grad verarbeiten mag. Mit gezieltem Resilienztraining gelingt es, ein ausgewogenes on-/offline Leben zu gestalten und Gelassenheit zu für mehr Lebensqualität entwickeln .