Expertin für Resilienz und Lebensqualität

Keine Erwartungen sind auch Erwartungen

„Ich habe keine Erwartungen mehr. Ich wurde schon zu oft enttäuscht.“ Das höre ich gut und gerne in Unterhaltungen über Visionen, Veränderungsprojekte, über Chefs, Mitarbeitende und Partner / Partnerinnen.

Das Schöne an Enttäuschungen

Emotional betrachtet, sind Enttäuschungen wahre Atombomben für unsere Gefühlswelt. Unser ganzes Weltbild wird in Frage gestellt, da uns etwas oder jemand enttäuscht hat. Dabei sollten wir dafür dankbar sein und Freudetänze machen. Wir sind nämlich einer Illusion entgangen und dürfen jetzt aufgrund von klareren Fakten neue Lösungen erarbeiten. Die Täuschung wurde endlich aufgehoben.

Keiner will sie und doch haben wir sie

Erwartungen entstehen, wenn wir ein Ereignis, eine Denk- oder Handlungsweise in der Zukunft vorwegnehmen. Wir erhoffen oder vermuten bzw. erwarten eben etwas. Dies kann in gewissen Situationen gut und hilfreich sein. Beispielsweise bei einem Vertragsabschluss darf ungehindert die Erwartung entstehen, dass das Geschäft gemäss Vertrag ausgeführt wird. Es besteht eine konkrete Absprache, was zu erwarten ist. Das Resultat ist somit einschätzbar. Dasselbe gilt bei Versprechen und Absprachen, sofern sie auf Augenhöhe getroffen worden sind.

Warum werden dann unsere Erwartungen so oft enttäuscht, sodass wir keine mehr haben wollen? Typischerweise entstehen Erwartungen in folgenden Fällen:

  • Es bestehen unausgesprochene Bedürfnisse
    Mein Chef wird wohl merken, dass ich nicht mehr kann.
  • In unsicheren Zeiten mit ungewissem Ausgang
    Also deswegen kann man mir jetzt nicht kündigen, die haben ja selber keine Ahnung.
  • Das Weltbild wird massiv in Frage gestellt
    Mein Chef kann doch nicht einfach selber entscheiden. Dies muss er doch mit seinem Team absprechen.

Durch Erwartungen reduzieren wir in dem Sinn die Komplexität einer Situation, indem wir uns die Welt so zurechtlegen, wie wir sie gerne hätten. Die Zukunft wird somit vorhersehbar.

Warum Sie implizite Erwartungen an Sie auf keinen Fall erfüllen sollten

Wenn Sie alle unausgesprochenen Erwartungen an Sie erfüllen, dann bringen Sie Ihre Mitmenschen in eine Abhängigkeit. Sie werden mit der Zeit nicht mehr bereit sein ihre Opferrolle zu verlassen. Viel lieber stützen sie sich auf Ihre rücksichtsvolle Weitsichtigkeit. Dies bringt Sie selber in die Situation des helfen Müssens und nicht mehr helfen Wollens. Auf die Länge wirkt das sehr einengend und ist energieraubend. Auch entsteht oftmals das Gefühl, nichts wirklich auf die Reihe zu kriegen. Implizite Erwartungen reduzieren den Wert dessen, was wirklich da ist.Stattdessen sollten Sie implizite Erwartungen zu expliziten machen und ein gemeinsames Verständnis schaffen. Hier finden Sie 3 Tipps, wie Sie Ihre Erwartungen, an sich selber, an Ihr Umfeld aber auch jene Erwartungen, die an Sie gestellt werden, erfolgreich managen und voller Energie im Job durchstarten können:

  • Treten Sie in einen Dialog um individuelle Bedürfnisse zu evaluieren und eine konstruktive Lösung zu finden.
  • Grenzen Sie sich klar ab. Sie sind nicht für die Gefühle und Erwartungen Ihrer Mitmenschen verantwortlich.
  • Schaffen Sie Voraussetzungen, damit Ihre Mitmenschen wieder ins Handeln kommen und Eigenverantwortung übernehmen.

Keine Erwartungen sind eben doch auch Erwartungen

„Ich habe keine Erwartungen. Ich lasse mich überraschen!“ Wenn Sie das nächste Mal jemand sagen hören, dass er oder sie keine Erwartungen habe, fragen Sie besser nach, damit Sie keine Überraschungen erleben.